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Donnerstag 23. April 2015 | Von: Rogenhofer

4. Innovationentagung

Innovationen sichern Zukunft und sorgen für Wachstum

Die inzwischen schon 4. vom LMTZ organisierte Innovationentagung wurde mit einem klaren Bekenntnis zur Notwendigkeit von Innovationen in der Ansprache von Agrar-Landesrat Dr. Stephan Pernkopf eröffnet. Unter Beteiligung zahlreicher Expertinnen und Experten aus der Lebensmittelbranche und hochkarätiger Vortragender wurde das Thema „Management, Marktforschung und Technologie für innovative Lebensmittel“ am 23. April 2015 im Festsaal des Schlosses Weinzierl umfassend diskutiert.
In Österreich arbeitet jede beziehungsweise jeder sechste Beschäftigte in der Lebensmittelbranche, knapp 4.000 Betriebe stellen Nahrungsmittel und Getränke her. 886 davon befinden sich in Niederösterreich. Die Lebensmittelbranche ist also sowohl ein wichtiger Wirtschaftsfaktor als auch ein wichtiger Imagefaktor – nicht nur für Einheimische, sondern vor allem auch für Touristen. So sind viele der heimischen Spezialitäten auch starke Imageträger – beispielsweise Marille, Mohn, Dirndl, Most oder Wein – in allen Variationen und Verarbeitungen.
„Innovationen sichern unsere Zukunft und sorgen für das Wachstum der heimischen Wirtschaft. Neue, kreative und innovative Produkte sind für unser Land von besonderer Bedeutung. Initiativen wie ‚So schmeckt Niederösterreich‘ stellen Regionalität in den Vordergrund und weisen Konsumentinnen und Konsumenten auf die hohe Qualität heimischer Lebensmittel und ihre Bedeutung für die regionale Wertschöpfung hin“, erklärte Landesrat Pernkopf in seiner Eröffnungsrede. Im Mittelpunkt der Innovationentagung stand das Erörtern der Frage, ob und wie Innovationen im Lebensmittelbereich möglich, machbar und umsetzbar sind. Mit Innovationen gehen die heimischen Betriebe auf KundInnenwünsche ein und reagieren auf Trends im Konsumverhalten.

 

Das Keynote Referat der Tagung wurde vom bekannten Meinungs- und Marktforscher von GfK Austria Dr. Rudolf Bretschneider zum Thema „Essen ist keine Geschmackssache“ gehalten. Er stellte darin klar, dass heimische Genüsse ein Land lebenswert machen und Identität schaffen. Die nationale Küche ist Botschafter eines Landes, denn Essen ist nicht nur individuelle Geschmackssache, sondern geprägt durch kulturelle und nationale Einflüsse und Erfahrungen, die mit bestimmten Speisen verbunden werden. Bretschneider verbindet Innovationen mit höherer Wertschöpfung, Geschmacksvariationen, dem Zugang zu neuen Märkten und erhöhter Produkteffizienz.

 

Dr. Astin Malschinger, Campus- & Studiengang Fachbereichsleitung Marketing am Campus Wieselburg der Fachhochschule Wiener Neustadt für Produktmarketing und Innovationsmanagement, referierte anschließend über das Ziel von Empathic Design, also die Entwicklung von Produktkonzepten beziehungsweise Dienstleistungen, die auf unartikulierten KundInnenbedürfnissen basieren. Beeinträchtigungen der Verbraucher – wie Übergewicht, Parkinson, altersbedingte Seh- und Hörschwäche, Gelenksversteifungen, Muskelschwund, verminderte Mobilität u.a. wurden bisher bei der Produktentwicklung wenig berücksichtigt, obwohl demografische Daten eine Zunahme der Käuferschicht mit diesen Beschwerden verdeutlichen. Anhand von gezielt zu Demonstrationszwecken herbeigeführten Beeinträchtigungen an zwei freiwilligen Zuhörerinnen aus dem Auditorium wurde die Problematik der Betroffenen demonstriert und die Notwendigkeit der Berücksichtigung im Innovationsprozess bestätigt.

 

Eat design“ war das Thema des Vortrages von Mag. Martin Hablesreiter, Inhaber der Agentur honey & bunny, der völlig alltägliche Gegenstände, wie Geschirr und Besteck, als Dinge identifiziert, die nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch unser Leben generell beeinflussen. Der Stuhl am Esstisch zwingt uns zu einer oftmals unnatürlichen Haltung während der Nahrungsaufnahme, das Messer wird in manchen Erdteilen bei Tisch noch immer unbewusst wie eine Waffe geführt, die Gestaltung von Trinkgefäßen ist dem Schädel des besiegten Gegners nachempfunden, als Serviette und Taschentuch wurde lange Zeit einfach das Tischtuch unter dem Teller verwendet. Viele Tischsitten sind dem höfischen Zeremoniell entnommen und widersprechen oftmals der Natur des Essenden. In einem beeindruckenden Bilderrausch wurden historische und soziale Hintergründe für Esswerkzeuge, Tischutensilien und Kleidungsvorschriften erläutert und die Prägung ganzer Gesellschaften rund um den Konsum von Nahrung aufgezeigt.

 

Dr. Hans Lercher vom Campus 02 der FH für Wirtschaft in Graz definierte einleitend zu seinem Vortrag „Innovation und Kreativität“ die 6 Formen von unternehmerischen Innovationen und ergänzte diese mit praktischen Beispielen. Er stellte den Innovationserfolg durch das Zusammenspiel verschiedener Elemente dar, die Dimensionen für offenes Innovieren sowie die Phasen eines Innovationsprozesses und abschließend die Arten und Gründe für Denkblockaden sowie Konzepte zur Kreativitätsförderung im Unternehmen.

 

Dr. Henry Jäger, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Universität für Bodenkultur stellte in seinem Vortrag „Food Structure Design und Haltbarmachung mittels neuer Technologiekonzepte“ Prozesskonzepte für alternative Rohstoffe (Algen, Leguminosen, Pseudogetreide und Insekten) als hochaktuelle Themen vor. Diese neuen Rohstoffe erfordern Modifikationen von bestehenden Prozessen, um funktionelle Fraktionen daraus als Zusatzstoffe zu gewinnen oder überhaupt neue und innovative Lebensmittel daraus entwickeln zu können. Die Prozess – Struktur – Eigenschaftsbeziehung auf Micro- bis Macro- Ebene wurde vorgestellt. Die Effekte durch Aufgreifen und Weiterentwickeln von bekannte Technologien (Ohm‘sches Erhitzen, gepulste elektrische Felder, Hochdruckverfahren, Ultra-Hochdruck-Homogenisierung) wurden anhand von verbesserten Prozesserfolgen interpretiert.

 

Für Jochen Widderich von Tetra Pak Processing in Germering, Deutschland ist Nachhaltigkeit schon bei der Konzeption und Weiterentwicklung von Prozessanlagen für die Herstellung von Lebensmitteln ein Selbstverpflichtung für den Anlagenbauer und jeden Unternehmer. „Investition in Technik ist das Eine, sorgsamer Einsatz von Rohstoffen und Energien das Andere!“. In seinem Vortrag „Neue Innovationen in der Prozesstechnik unter dem Aspekt Energieeinsparung und Umweltschutz“ definierte Jochen Widderich für Innovationen die treibenden Kräfte: Markenimage, Anforderungen des Handels sowie gesetzliche Anforderungen. Innovative Prozesstechnik schlägt sich nieder in Produktionseffizienz und damit auch in der Wirtschaftlichkeit. Die präsentierten Zahlen verdeutlichten die erzielbaren Einsparungspotentiale folgender Entwicklungen: OneStep-Technologie, neue Tetra UHT-Technologie, neue Generation von energiesparender Separatoren und Homogenisatoren, Rückgewinnung von Sperrwasser und weitere Innovationen wie Umweltkonzepte und deren Optimierung.

 

Den Abschluss des Tages bildete eine Podiumsdiskussion mit dem Generaltitel „Innovationen - Pro & Contra“, an der auch drei der innovativen „So schmeckt Niederösterreich“-Partnerunternehmen teilnahmen: Fireland Foods aus Ruprechtshofen war vertreten durch Mag. Richard Fohringer, Wilhelmsburger Hoflieferanten vertreten durch Johannes Bertl und das Unternehmen My Product GmbH aus Wieselburg vertreten durch Rainer Neuwirth, welches vor kurzem eine Partnerschaft mit der Kastner Gruppe einging. Ebenfalls am Podium war DI Klaus Riediger von der AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, der als fachlicher Gutachter neuer Lebensmittel tätig ist und die Hürden und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Inverkehrbringung neuer Lebensmittel darstellte.

 

Downloads:

Programm (Grafik: Philipp Monihart)

Vortrag Bretschneider

Vortrag Malschinger

Vortrag Hablesreiter

Vortrag Lercher

Vortrag Jäger

Vortrag Widderich

Impulsreferat Fohringer

Impulsreferat Bertl

Impulsreferat Neuwirth

Impulsreferat Riediger

Tagungsbericht in DMW 17/2015

Tagungsbericht in DMW 18/2015

 

Bilder:

1: © Fotolia

2: NLK Filzwieser © Energie und Umweltagentur NÖ;
v.l.n.r.: DI Alois Rosenberger (Direktor HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg), Dipl.Päd. Mag. (FH) Magdalena Resch (Lebensmittel Cluster NÖ), Agrar-Landesrat Dr. Stephan Pernkopf, Dr. Astin Malschinger (FH Wr. Neustadt, Campus Wieselburg), Prof. Dr. Rudolf Bretschneider (GfK Austria), DI Martin Rogenhofer (Leiter LMTZ Wieselburg)

3: © LMTZ

4: © LMTZ: freiwillige Kanditatinnen beim Vortrag Dr. Malschinger „Empathic Design“

5: © LMTZ:
v.l.n.r.: DI Klaus Riediger (AGES), Rainer Neuwirth (My Product), Mag. Richard Fohringer (Fireland Foods), Johannes Bertl (Wilhelmsburger Hoflieferanten)