FJ Wieselburg
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Dienstag 07. Februar 2017 | Von: Christian Zahler

Die Zukunft des Lernens

Eine interessierte Abordnung des Francisco Josephinum, bestehend aus Dir. Alois Rosenberger, AV Martin Garscha und den Lehrern Monika Dörfler-Wetchy, Christian Zahler, Franz Huber, Oliver Regelsberg und Johannes Thier fuhr am Donnerstag, den 02. Februar 2017 nach Wien ins Ministerium für Land- und Forstwirtschaft um einem Vortrag von Dr. Jörg Dräger über die „Zukunft des Lernens“ beizuwohnen.


Jörg Dräger ist Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des „Centrum für Hochschulentwicklung“, und Autor des Standardwerkes „Die digitale Bildungsrevolution: Der radikale Wandel des Lernens und wie wir ihn gestalten können“.


Die Moderation der Veranstaltung übernahm Dr. Andreas Salcher, ein aus den Medien bekannter Bildungsexperte.
Laut Dräger sind es drei Herausforderungen, welche die Bildungslandschaft in Europa in den nächsten Jahren beschäftigen werden:

  • Masse – immer mehr Menschen streben nach höherer Bildung
  • Vielfalt – eine homogene Lerngruppe wird immer mehr zur Illusion
  • Kosten – das Bildungsniveau bleibt gleich, während die Kosten stark steigen.


Dräger hält die Digitalisierung der Bildung für einen notwendigen Lösungsansatz für die Bewältigung dieser Herausforderungen und erläuterte seinen Ansatz an mehreren Beispielen:


Demokratisierung der Bildung

Der deutsche Informatiker und Robotik-Spezialist Sebastian Thrun (2007 – 2016 Professor an der Stanford University) ließ seine Vorlesung über Künstliche Intelligenz aufzeichnen und stellte sie ins Internet. 23 000 Personen schlossen die Veranstaltung positiv ab, von denen niemand einen Studienplatz an der Universität bekommen hätten – die Aufnahmekriterien sind restriktiv, die Studienplatzkosten enorm.


Internet-Plattformen für die Bildung der Massen

Viele amerikanische Schulen verwenden für die Mathematik-Basisausbildung die kostenlose Lernplattform „Khan Academy“ (www.khanacademy.org) ein. Diese Plattform entstand aus einer Serie von Videoclips, die der US-amerikanische Investmentbanker und Pädagoge Salman Khan ursprünglich für seine Cousine aufnahm und auf YouTube veröffentlichte.


Individualisierung für große Gruppen

Das Programm „School of One“ (SO1) wurde 2009 durch die Organisation „New Classrooms“ eingeführt und läuft heute an 6 Schulen in New York City für mehrere tausend Studenten. SO1 stellt ein Programm für Mathematik dar, welches über einen Zentralrechner für jeden Studenten individuell ein tägliches Kurspaket zusammenstellt, abhängig vom aktuellen Wissensstand. Dabei werden sowohl Kursinhalte als auch Überprüfungen in digitaler Form angeboten; die „Lehrer“ wirken dabei als Tutoren und Motivatoren und können ebenfalls digital den aktuellen Fortschritt der ihnen zugewiesenen Studenten verfolgen.


Big Data

An der Arizona State University sind etwa 80 000 Studierende in mehr als 300 Studienfächern inskribiert. Entsprechend dem persönlichem Profil gibt eine Software Empfehlungen für die passendsten Fächer ab. Diese entstehen aus statistischen Vergleichsdaten vergangener Studenten. Die Maßnahme zeigt Erfolg: Statt wie früher 26 Prozent schaffen heute auch deshalb 42 Prozent der Studierenden ihren Abschluss in der Regelstudienzeit. Das ist ein großer Erfolg für eine Universität, die sich mit ihren Angeboten gezielt an Bildungsferne richtet.


Der informative Vortrag wurde mit einer anschließenden regen Diskussionsrunde beendet.


Nachdenklich und überlegend, wie sich die digitale Bildungsrevolution wohl auf unser österreichisches Schulwesen auswirken wird und wie wir als Josephiner Lehrer darauf am besten reagieren sollten, ging es danach wieder nach Hause nach Wieselburg.