FJ Wieselburg
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Gründung der Anstalt

 

In den Nachkriegsjahren erwies es sich als notwendig, in Anlehnung an ausländische Vorbilder, auch in Österreich ein Institut zu errichten, das zur Lösung der Probleme in der aufstrebenden Milchwirtschaft beitragen sollte. Nach mehrjährigen Verhandlungen fand am 17. Juli 1928 der Spatenstich für den Neubau der Lehr- und Versuchsanstalt mit Lehrräumen und Laboratorien in Wolfpassing statt. Gleichzeitig wurden die bestehenden Gebäude und Stallungen zweckent­sprechend adaptiert und ein leistungsfähiges Internat im Schloss eingerichtet. Im Rahmen einer eindrucksvollen Feier wurde die Anstalt am 6. November 1930 dem Gründungsdirektor Ministerialrat Dr. Anton List übergeben, um folgende Aufgaben zu erfüllen:

  • Aus- und Weiterbildung des in der Milchgewinnung und Be- und Verarbeitung tätigen Personals,
  • Unterstützung der österreichischen Milchwirtschaft durch wissenschaftliche Untersuchungs- und Forschungstätigkeit, wobei die Forschung ausschließlich der Beantwortung von Fragen, die die Praxis stellt, zu gelten hat und
  • Veröffentlichung der Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Tätigkeit durch Wort und Schrift und Beratung des Fachpersonals.

 

Bundespräsident Miklas bei der Eröffnungsfeier im Nov. 1930: ?Die Gründung der Anstalt ist ein Markstein in der Entwicklung der österreichischen Milchwirtschaft?

 

Um diesen weit reichenden Aufgabenbereich abdecken zu können, wurde die Anstalt in 4 Betriebe - Molkereischule, Versuchsanstalt, Lehr- und Versuchsmolkerei und Landwirtschaft - gegliedert.

 

In der Molkereischule wurde im Jahre 1930 der erste Lehrgang für Molkereigehilfen mit einer Dauer von 10 Monaten eröffnet. Die Kursteilnehmer wurden zu Molkerei- und Buttereigehilfen, Käsern, Melklehrern, Kontrollassistenten, Leistungsprüfern und Herdbuchführern ausgebildet. Lehrgänge für Molkereibetriebsleiter und Molkereiinspektoren sowie Fachlehrgänge für Berufstätige wurden installiert.



Molkereischule

Die Versuchsanstalt war in eine bakteriologische, in eine chemisch/physikalische und eine maschi­nentechnische Abteilung zur wissenschaftlichen Behandlung verschiedener, aus der milchwirt­­schaftlichen Praxis stammender Fragen, gegliedert.



Versuchsanstalt



Die Lehr- und Versuchsmolkerei wurde für eine tägliche Milchanlieferung von ca. 12.000 kg ausgelegt. Die Milch stammte von etwa 800 Lieferanten der Umgebung, die in einer Milch­genossenschaft zusammengeschlossen waren. Die Lehrmolkerei diente als Praxisbetrieb sowohl den Kursteilnehmern als auch der Versuchs- und Prüfungstätigkeit.



Lehr- und Versuchsmolkerei

Der landwirtschaftliche Betrieb umfasste 205 ha und wurde als gemischter Betrieb geführt. In den Stallungen waren ca. 100 Kühe und das Jungvieh untergebracht. Die Anstalt verfügte über eine vorbildhafte Einrichtung zur Erzeugung und Lieferung von erstklassiger Kindermilch. Der Betrieb verfügte auch über eine Schweinemast, eine Hühnerfarm und eine Bienenzucht.



landwirtschaftlicher Betrieb mit 100 Kühen, Schweinemast und Hühnerfarm